Studie „From Social Justice to Peace – Gewerkschaftsarbeit über Grenzen hinweg“

Gewerkschaften vermitteln zwischen den Positionen von Arbeiter*innen und Arbeitgeber*innen und stärken die Rechte von Arbeiter*innen im Verhältnis zum Staat und im Beschäftigungsverhältnis. Somit sind sie kompetente Partner in der zivilen Konfliktbearbeitung, bei Aushandlungsprozessen und im Kampf für soziale Gerechtigkeit.

Die Studie „From Social Justice to Peace – chances for cross-border trade union cooperation“ wurde durch die Förderung der Stiftung Soziale Gesellschaft Nachhaltige Entwicklung der IG BAU möglich gemacht und präsentiert in kompakter Form die Entwicklung und den Stand von Gewerkschaftsarbeit in Israel und Palästina.
Verfasst von zwei Vertreterinnen der jeweiligen Gesellschaften stellt sie die Verbindung von Gewerkschaftsarbeit über Grenzen hinweg dar und zeigt das Kooperationspotential auf, um gemeinsam für eine friedliche, gerechte Entwicklung zu kämpfen.

Facing the future together – 50 Jahre politischer Jugendaustausch

Rückblick auf unsere Veranstaltung: Facing the future together – mehr als 50 Jahre politischer Jugendaustausch
Der politische Jugendaustausch war Thema eines Barcamps des WBC anlässlich des 50. Jubiläums der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel. Der 74-Jährige Walter Haas war gekommen, um von den Anfängen der Jugendbegegnungen zu erzählen, die lange vor dem Botschafteraustausch lagen.
In der zweiten Hälfte der fünfziger Jahren habe in der Bildungsarbeit der Solinger Gewerkschaftsjugend die Geschichte der Arbeiterbewegung und der Einfluss von jüdischen Kollegen eine große Rolle gespielt, erinnerte sich Walter Haas. Die sozialistischen Kibbuzim und die von Fritz Naphtali entwickelte Gemeinwirtschaft, die in Israel mit seinem mächtigen Gewerkschaftsverband Histadrut in die Praxis umgesetzt wurden, hätten ihn fasziniert. „Uns schien vieles utopisch zu sein“, schilderte der aus dem Bergischen Land kommende Gewerkschafter den Ende Wunsch, nach Israel zu reisen. Doch man habe noch bis 1961 warten müssen, bis die Reise angetreten werden konnte. Es sei sehr schwierig gewesen, Visa zu bekommen. „Es gab keine direkte Verbindungen nach Israel“, erzählte Walter Haas. „Aber der Bundesstudentenring hatte die Möglichkeit, dass man mit einem Sonderzug von Köln nach Athen fahren konnten, zweieinhalb Tage.“ Weiter sei man mit einer alten DC 3 geflogen, in der es noch nicht einmal richtige Sitze gegeben habe.
In Tel Aviv hat sich die Gruppe der DBG-Jugend als erstes an die Histradrut gewandt, zu dem der DGB damals aber noch keine offiziellen Beziehungen hatte. „Wir mussten feststellen, an uns war man nicht interessiert. Innerhalb von Israel war 1961 eine ganz besondere Situation, der Eichmann-Prozess hat begonnen. Es gab in der Bevölkerung eine Mehrheit, die kein Interesse hatte, mit irgendetwas Deutschem in Kontakt zu treten.“ Letztlich habe die Gruppe um Walter Haas zwei Hauptamtliche der gewerkschaftsnahen Jugendorganisation Noar Oved gefunden, die bereit waren, mit dieser ersten Delegation der DBG-Jugend in Kontakt zu treten. „Diese beiden sind dafür sehr kritisiert worden.“
Bereits 1962 fand der erste Gegenbesuch statt, und zwar als privater Besuch. „Die Histadrut hat die Reise einer offiziellen Delegation verboten.“ Gemeinsam sei man von Solingen aus nach Berlin gefahren, wo soeben die Mauer errichten worden war, rief sich Walter Haas ins Gedächtnis. „Der Kern war gelegt für eine gegenseitige Begegnung, einen gegenseitigen Austausch“, sagte Haas, der später Bundessekretär der DGB-Jugend und DGB-Landesvorsitzender in NRW war.
In den anderen Gesprächskreisen des Barcamps, das mit Förderung des Auswärtigen Amtes und des Goethe-Instituts veranstaltet wurde, ging es um jüngere Aspekte des politischen Jugendaustauschs. Eine Gruppe sprach über die Geschichte der Beziehungen zwischen den „Blauhemdorganisationen“ SJD – Die Falken, Noar Oved und Haschomer Hazair. In einer anderen Runde ging es um die wechselhafte Positionen der Jusos als linkem Richtungsverband zum Nahostkonflikt bis hin zur Gründung des WBC in 1996. Ein dritter Kreis diskutierte unter dem Motto „Facing the future together“ über die Zukunft des Austauschs zwischen deutschen, israelischen und palästinensischen Jugendlichen.

Fotos: Tobias Pietsch






Ein weiter, faszinierender Blick auf die Altstadt

Die SPD-Fraktionsspitze hat das Willy Brandt Center besucht. „Für einige Gäste aus Deutschland ist es ein Wiedersehen“, berichtet Die Welt aus Jerusalem. „Der Gang auf die Terrasse aber begeistert die alten Bekannten ebenso wie diejenigen, die zum ersten Mal hier sind. Das Willy-Brandt-Center in Jerusalem bietet einen weiten, faszinierenden Blick auf die Altstadt, auf Felsendom und, auf dem Ölberg, die evangelische Himmelfahrtskirche. Thomas Oppermann ist am Mittwochmittag mit 13 seiner Kollegen zu Gast im Willy-Brandt-Center. Im Jahre 1996 hatten die Jugendorganisationen der SPD, der israelischen Arbeiterpartei und der palästinensischen Fatah einen entsprechenden Vertrag unterzeichnet.“ Später sei auch der Nachwuchs der Meretz-Partei hinzugestoßen, notiert Daniel Friedrich Sturm.
„Am Mittwochmittag diskutieren junge israelische und palästinensische Politiker im Willy-Brandt-Center über den Stand des Friedensprozesses – wenige Stunden nachdem aus dem Gazastreifen eine Rakete abgefeuert wurde und Israel mit der Bombardierung terroristischer Stellungen reagierte. Die Gegenwart ist also plötzlich sehr präsent, die Parlamentarier stellen kritische Fragen mit versöhnlichem Tonfall.“ → Die Welt

Thomas Oppermann: „Wir sind hier, um euch zu ermutigen, weiter zu machen“

Während seiner Reise in den Nahen Osten machte der Fraktionsvorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, auch im Willy Brandt Center Jerusalem halt. Gemeinsam mit dem geschäftsführenden Fraktionsvorstand besuchte er das Center, um mehr über die Arbeit und die wichtigsten Projekte zu erfahren. Oppermann erklärte: „Wir sind hier, um euch zu ermutigen, weiter zu machen mit der wichtigen Arbeit, die ihr hier vor Ort erledigt“.
„Junge AktivistInnen aus den Jugendbewegungen der PartnerInnen des Willy Brandt Centers spielen eine wichtige Rolle in der regionalen Arbeit“, erfuhr die Fraktionsdelegation. Verteterinnen und Vertreter von Young Labour, Young Meretz und von Shabibeh Fatah berichteten von ihren Erfahrungen der politischen Arbeit vor Ort und beschrieben, wie wichtig der Zusammenhalt und die Zusammenarbeit von friedensorientierten Kräften ist. Außerdem betonten sie die Wichtigkeit des Entwickelns eigener Strategien und Konzepte zur Vebesserung der Situation von jungen EntscheidungsträgerInnen und AktivistInnen, „denn die Zukunft der Region liegt in den Händen der Jugend“. Die VertreterInnen des WBC bedankten sich bei Thomas Oppermann, seinen StellvertreterInnen Sören Bartol, Hubertus Heil, Eva Högl, Karl Lauterbauch, Carola Reimann, Axel Schäfer und Carsten Schneider, Justiziarin Katarina Barley, den Fraktionsgeschäftsführerinnen Bärbel Bas und Dagmar Ziegler sowie Kerstin Griese und dem außenpolitischen Fraktionssprecher Niels Annen, die beide im Willy-Brandt-Zentrum e.V. aktiv sind, für die große Unterstützung.

Im Bundestag: 50 Jahre deutsch-israelische Beziehungen

50 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen Deutschland und Israel waren das Thema einer Tagung der SPD-Fraktion, an der Tobias Pietsch als Vertreter des Willy Brandt Center (WBC) an einem Podium teilnahm. Pietsch interessierte sich als Moderator dafür, wie die deutsch-israelischen Beziehungen in den 50er und 60er Jahren entstanden sind. Er fragte, ob die Aufnahme der offiziellen Beziehungen nicht ein „reines Elitenprojekt“ gewesen sei. Die Journalistin Inge Deutschkron bestätigte, dass die Deutschen am Ende nicht mehr anders gekonnt hätten, als die diplomatischen Beziehungen aufzunehmen. „Ich kann Ihnen aber versichern, dass viele dagegen waren.“
Erste Beziehungen seien schon viele Jahre vorher aufgenommen worden, sagte Deutschkron. „Falken waren es, die als erste nach Israel reisten“, erinnerte sich die 92-Jährige. „Aber das war nicht die Masse.“

 

Rudolf Dressler betonte, dass der Jugendaustausch zwischen Israel und Deutschland so umfangreich ist, wie zwischen keinen anderen Land. „Ich bin auch ein Resultat des deutsch-israelischen Jugendaustausches“, erzählte Tobias Pietsch, der das erste Mal als Schüler nach Israel kam. Aber es gebe auch sehr beunruhige Zahlen aus Deutschland, so Pietsch, denn 58 Prozent der jungen Deutschen verneinten eine Verantwortung für die Schoa. „Die Jugend in Deutschland hat in der Mehrheit keinen biografischen Zugang zu diesem Thema“, stellte Ex-Botschafter Dressler fest.
„Brauchen wir mehr Trilateralität“ fragte Pietsch, der an das deutsch-israelisch-palästinensische WBC erinnerte und die israelisch-palästinensisch-jordanischen Studiengänge erwähnte, die Avi Primor gegründet hat. „Ich brauchte eine Gastgeberuniversität“, betonte Primor die Notwendigkeit, sich auch mal in einem anderen Land zu treffen. „Diese Universität habe ich nur in Deutschland gefunden. Alle Studenten verbringen nun ein Jahr in Düsseldorf.“

„Wir kommen an einen Zeitpunkt, an dem uns immer weniger Zeitzeugen berichten können“, sagte Tobias Pietsch. „Deshalb ist es immer wichtiger, dass die Brücken zu der heutigen jungen Generation geschlagen werden.“

Auch Niels Annen, ehemaliger Juso-Vorsitzender und Außenpolitik-Experte der SPD-Fraktion, erwähnte in der anschließenden Diskussionsrunde das WBC. „Das Willy Brandt Center ist ein Zentrum geworden, das junge Menschen zusammenbringt. Und nicht nur junge Menschen, sondern auch Politiker“, hob Annen hervor.

Die Knessetabgeordnete und ehemalige Vorsitzende der Awoda-Jugend, Michal Biran, stimmte Annen zu und erinnerte sich an ihre Erfahrungen im Rahmen des Willy Brandt Center. „Die Deutschen sind Freunde. Sie wissen wie sie kritisieren, aber sie tun es als Freunde“, lobte sie insbesondere die deutschen Jusos, die einen erheblichen Unterschied zu Jugendorganisationen aus anderen Ländern darstellen.